Boykott der Fußball Europameisterschaft 2012 in der Ukraine, jetzt!

>> Freitag, 27. April 2012

Soeben lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Online folgendes, "Bei mehreren Bombenexplosionen im Zentrum der ukrainischen Industriestadt Dnjepropetrowsk sind mindestens 27 Menschen verletzt worden. Dnjepropetrowsk ist die Heimatstadt der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko." Die Ukraine ist zusammen mit Polen der Gastgeber der kommenden Fußball Europameisterschaft 2012. Zwar ist Dnjepropetrowsk, rund 400 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew, kein Austragungsort des Turniers, jedoch lösen bei mir die Vorkommnisse höchste Skepsis über die Legitimation der Ukraine als Gastgeberland aus! Dnjepropetrowsk ist die Heimatstadt der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko. Diese wurde in einem Schauprozess zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Prinzipiell ist klar, dass hier die ehemalige Regierungschefin und Hauptakteurin der "Orangen Revolution" mundtot gemacht werden soll. Die russlandfreundliche Regierung um Präsident Viktor Janukowitsch übt somit Rache. Es ist die Rede von schweren Misshandlungen, untragbaren Haftbedingungen und medizinischer Unterversorgung gegenüber Timoschenko. Sie ist seit kurzem in den Hungerstreik getreten. Menschenrechte sind der Regierung fremd. Als erste Reaktion sagte Bundespräsident Gauck seinen anstehenden Besuch in der Ukraine ab. Dieser Entscheidung bringe ich höchsten Respekt gegenüber. Gaucks erste erkennbare Handlung als Bundespräsident und gleichzeitig eine wohl durchdachte. Wulff hätte wahrscheinlich für eine Gratis Segelreise rund um Odessa zugesagt. Die Vorkommnisse werfen Fragen auf. Kann man in einem Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, das politische Unruhen ein Monat vor Beginn der Europameisterschaft provoziert, das von Korruption und politischen Verführungen durchtränkt ist, eine Fußball Europameisterschaft austragen? Es geht hier nicht darum den moralischen Finger zu heben. Natürlich gehört der Sport den Menschen und sollte politisch neutral sein. Jedoch denke ich, dass kaum ein Durchschnittsbürger in der Ukraine sich ein EM Ticket leisten kann. Letztendlich profitiert die Regierung von den UEFA Geldern. Wie kann ein fröhliches Sportevent, das Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringen soll, parallel zu einem ethischen und moralischen Desaster stattfinden? Wenn die Missstände eines Landes so offensichtlich sind, wenn selbst Präsidenten dieses Land nicht mehr bereisen wollen, wenn eine Nachricht so polarisiert, ist dies nicht der Zeitpunkt wo Politik und Sport doch eine Schnittmenge erhalten? Ich denke ganz klar, ja! Wir akzeptieren schon zu lange Sportveranstaltungen in fragwürdigen Ländern. Letztes Wochenende erst als in Bahrain der Formel 1 Grand Prix stattfand. Hier wurde während des Qualifying ca. 100 km weit weg ein Demonstrant erschossen. Olympia in China. Wo sonst in der Welt werden noch so viele politische Gegner hingerichtet? Es reicht! Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine bietet die einmalige Chance endlich ein Zeichen zu setzen! Für einen riesigen Verband, wie die FIFA bzw. die UEFA, muss es möglich sein die EM entweder ganz nach Polen zu verlagern oder ein Ausweichland zu finden. Schon bei den Bewerbungen der Länder zu Austragung eines solchen Events, sollte man Menschenrechte und die politische Situation berücksichtigen und nicht wer am meisten Geld in die private Schatulle von Blatter und Platini steckt. Die FIFA bzw. UEFA hat nun die Chance sich zu rehabilitieren von den Bestechungsvorwürfen und ein deutliches Zeichen gegen die Vorkommnisse in der Ukraine zu setzen! Die Europameisterschaft muss aus der Ukraine verlegt werden, sonst fragen uns eines Tages unsere Kinder ob wir von nix gewusst hätten...

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Wenn der Franke nachgibt... 2010 Mommenheimer Silvaner trocken Werther Windisch

>> Donnerstag, 12. April 2012

Wir Franken sind ja stolze Menschen. Nicht nur bezogen auf den gestrigen 4:1 Erfolg des Ruhmreichen 1. FC Nürnberg gegen Schalke 04. Nein, auch der heimische Weinbau lässt unser Herz höher schlagen und unsere Leber Loblieder singen. Leider ist unser weltbekannter Silvaner vor Konkurrenz nicht geschützt und so schauen wir misstrauisch nach Rheinhessen. Die bauen zumindest mit ca. 2468 Hektar Rebfläche am meisten Silvaner in Deutschland an. Diese Tatsache ist erst einmal kein Merkmal für Qualität. Der Discounterkunde will ja beliefert werden. Missionarisch predigt mein alter Weinfreund Michael Gmall von unendlichen Qualitäten Rheinhessens und konnte mich schon dutzende Male davon überzeugen. So nimmt der Anteil Rheinhessischer Weine in meinem Keller stetig zu. Der heutige Tipp vom Herren Gmall führt mich nach Mommenheim. Hier sitzt das Weingut Werther Windisch. Anfang der 1980er Jahre übernahm Hans-Albert Windisch von seinem Schwiegervater das heute 11ha große Weingut im rheinhessischen Mommenheim. Der damals klassische Mischtrieb mit Ackerland, Viehzucht und Weinausbau wurde in den letzten Jahrzehnten immer stärker auf den Weinbau fokussiert. Der Sprössling Jens Windisch ist derzeit verantwortlich für den Weinbau. Momentan studiert er an der ehrwürdigen FH Geisenheim. Seine Stationen in der Ausbildung führten ihn nach Neuseeland (Johner Estate)und Deutschland (DLR Oppenheim, Weingut Gröhl/Weinolsheim, Weingut Wagner-Stempel/Siefersheim). Beste Vorrausetzungen um etwas Ordentliches ins Glas zu zaubern. Dieses ist heute gefüllt mit dem 2010er Mommenheimer Silvaner trocken. Wird er den Franken in mir zu überzeugen wissen? Im hochglänzenden Gelb mit grünlichen Reflexen dreht er seine Runden im Glas. Verhaltene Nase nach Citrusfrüchten, buttrigen Noten und Kräutern, sowie feine Bananen Nuancen. Am Gaumen unheimlich klar strukturiert, feine Frucht und Schmelz mit einem exakt dosiertem Säuregerüst. Anregende mineralische Noten. Stoffiger Körper. Alkoholgehalt angenehm eingebaut. Alles in allem absolut stimmig. Nachhaltiges herbes Finish. Dieser Silvaner macht richtig Laune. Die Flasche ist schneller leer als dass sich der Franke in mir über die Koexistenz von guten Silvanern außerhalb der Heimat aufregen könnte. Hinzu kommt der unschlagbare Preis, der weit unter 10€ liegt. Zu beziehen direkt ab Gut. Chapeau!

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Weißwein aus Bordeaux? 2011 Chateau de Parenchere Blanc Sec

>> Dienstag, 10. April 2012

So, geneigte Leser, es ist wieder an der Zeit Ihnen etwas zu bieten. Nach der Osterlethargie und dem dramatischen Abrutsch um 7 Plätze im unwichtigsten wichtigsten Ranking Wikio , steigt der Direttore vom adipösen Thron des Phlegmatisierens und berichtet wieder von seinen vinophilen Streifzügen. Die Karawane aus Journalisten, Händlern und Fachleuten zieht gerade wie jedes Jahr durch das Bordeaux, um unfertigen Weinen im Regelfall einen Hochgenuss zu unterstellen. Letztendlich geht es um Prestige, Entdeckungen, obwohl die großen Namen sich jedes Jahr gleichen, und vor allem um viel Geld. Die großen Bordeauxs sind sicherlich nur für die Wenigsten ein erschwinglicher alltäglicher Genuss. Daraus folgend finden Sie hier auf der La Gazzetta del Vino regelmäßig Tipps für bezahlbare und genussvolle Weine dieser wohl berühmtesten Region Frankreichs. So kreuzt heute ein weißer Vertreter aus Ligueux mein Glas. Weißer Bordeaux? Die mediale Aufmerksamkeit für diese ist bisher äußerst gering. Zeit einem gängigen Cuvee auf den Zahn zu fühlen. Dieses stammt von Chateau de Parenchere. Ein 2011er Cuvee aus 80% Sauvignon, 10% Sémillon und 10% Muscadelle. Auf 4 von insgesamt 63 Hektar werden diese Rebsorten auf Chateau de Parenchere ausgebaut. Die Weinberge grenzen an die Departements Dordogne und Lot et Garonne und verfügen daher über eine eher ungewöhnliche Erde für das Bordelais, die sich aus Tonkalk mit einem sehr hohen Anteil an Ton zusammensetzt. 400000 Flaschen werden jedes Jahr abgefüllt, davon ca. 25000 des Blanc Sec. Im hochfarbigen Gelb mit grünlichen Reflexen dreht der Wein seine Runden im Glas. Das Greenhorn lässt seine Nase noch zu. Citrusfrüchte, dezente Wiesenblumen, aber auch leicht rauchige, speckige Noten gesellen sich hinzu. Am Gaumen frische unreife Frucht, fade Säure, cremige Struktur, mittlerer Körper mit einem deutlich spürbaren Alkoholgehalt von 13%. Langer Schmelz im herben Finish. Er ist sicherlich kein Schmeichler. Eher markanter Natur. Ich mag das. Kein seichter Tafelwein, sondern durchaus interessant und nicht internationalisiert. Im kommenden Sommer mein Begleiter zu gegrillten Fisch! Erschwinglicher Weißwein mit Charakter aus dem Bordeaux. Für ca.8€ zu beziehen, u.a. hier. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Olli Schulz "Jede Wahrheit braucht einen Betrunkenen, der sie ausspricht"...

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Die Eleganz der Lady im Land der Diskrepanzen - 2008 Lady May Glenelly

>> Mittwoch, 28. März 2012

Ja, ich bekenne mich da zu ein absoluter Cabernet Sauvignon Freund zu sein. Klar, schicker und "more trendy" wäre es jetzt natürlich ein Loblied auf den Pinot Noir zu singen. Nein, ich liebe Cabernet Sauvignon und ganz besonders aus der neuen Welt! Damit meine ich ganz sicher nicht die Marmeladenbomber, die an einen Sturz ins Zentis Regal eines Supermarkts erinnern. Sonnenverwöhnt muss nicht breit und alkoholisch bedeuten. Das beste Beispiel finden wir in meiner zweiten vinophilen Heimat, in Südafrika bzw. in Stellenbosch am Simonsberg. Seit 2003 lenkt in diesem wunderschönen Land der Diskrepanzen Madame May de Lencquesaing die Geschicke des Weinguts Glenelly. De Lencquesaing reiste aus besten Hause nach Südafrika. Chateau Pichon war ihre vorherige Wirkungsstätte. Dieses verkaufte sie 2007 an Roederer Champagne. Das Abenteuer konnte nun beginnen. Aber lassen wir Madame selbst zu Wort kommen.


Übrigens, Madame May de Lencquesaing ist Baujahr 1925. Hut ab vor soviel Tatendrang! Architektonisch ist das Weingut ein Meisterwerk. Sehen Sie selbst hier auf der Internetpräsenz von Glenelly. Nun, Geschichte, Tradition und Ausstattung hin oder her. Wichtig ist, was das Gesamtpaket ins Glas bringt. So fällt die Wahl des Direttore auf das Flagschiff des Weinguts. Dieses ist benannt nach dessen Besitzerin.
  
2008 Lady May
Das Etikett zeigt eine Skulptur des französischen Künstlers Maxim Real Del Sarte. Die Skulptur zeigt nicht irgendein junges Mädchen. Man sieht die 23 jährige May de Lencquesaing. Die Skulptur war ein Hochzeitsgeschenk des Künstlers. May de Lencquesaing ist nun stolze 87 Jahre alt und wir sind erleichtert, dass es wohlmöglich kein Update zur Diamantenen Hochzeit gibt. "Lady May" besteht aus 90% Cabernet Sauvignon und 10% Petit Verdot. Ein warmes, aromatisches und würziges Bukett begleitet uns ins Innerste der Lady. Dunkle Waldbeeren, Cassis, Himbeeren und einen Einschlag, wie auf dem Gewürzbasar in Istanbul. Curry, Zimt, Salbei und eine starke Pfefferminznote. Keine flüchtigen Töne erkennbar. Trotz der Aromafülle nicht aufdringlich in der Nase. Am Gaumen unglaublich weiche Tannine! Die Frucht ist konzentriert und auf den Punkt. Eine herzhafte Säure und ein knackiger Paprikaeinschlag liefern die perfekte Balance. Ein tiefer und durchaus komplexer Wein. Sehr elegant zu trinken. Weit weg von sämtlichen neuen Welt Klischees. Der Alkoholgehalt mit 14,5 % ist sauber eingebaut. Lediglich das Holz ist noch ein wenig eckig präsent. Man kann ihn gerne noch ein paar Jahre weglegen. Das Finish ist angenehm trocken und hinterläßt eine angenehme zartbittere Note. "Lady May" räumt mit sämtlichen Klischees auf. Sie bringt Klasse und Eleganz in die Weinberge von Stellenbosch. Ausnahmewein!
Es ist zwar nicht wirklich von Bedeutung, aber selbst Robert Parker gibt diesem Cuvee 94 Punkte und John Platter 5 Sterne. Zu beziehen ist dieser Wein für ca. 28€ bei Vinexus. Wer immer noch glaubt, dass Südafrika keine Weine von Weltruhm vinifzieren kann, dem sei Glenelly wärmstens ans Herz gelegt...

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VinoCamp Deutschland 2012 Retrospektive und Gedanken

>> Montag, 19. März 2012



Am vergangenen Wochenende fand zum zweiten Mal das VinoCamp Deutschland statt. Deutlich mehr Besucher als letztes Jahr fanden den Weg zur Weinfachhochschule in Geisenheim. Das VinoCamp ist eine offene Tagung, deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern im Tagungsverlauf selber entwickelt werden. Einzig und allein die sozialen Weinproben zu diversen Themen am späten Samstag waren vorab geplant. Die Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Weinblogger, Weinhändler, Winzer, Weinagenturen, Weinfreunde etc. konnten über 2 Tage sich zu diversen Themen austauschen, Synergien erschließen und Kontakte knüpfen. Spannend war die in den Fokus gerückte Region Elsaß, die sich durch Ihren Verbandspräsidenten Remy Gresser präsentieren ließ. Trotz der intensiven Feier am Samstagabend in der WineBank zu Hattenheim, sind mir einige Dinge in Erinnerung geblieben. U.a. die Session "Social Media, Facebook und co." geleitet von Dirk Würtz. Schwerpunkt dieser Session war die Frage, ob und wie man denn mit seiner Publikation Geld verdienen kann. Hier wurde durchaus kontrovers diskutiert, vor allem über das Thema gesponsorte Weinreisen, die Zusendung von Muster und diverse Einladungen zu Verkostungen. Ich möchte mein Statement in dieser Diskussion noch einmal klar herausheben. Ich sehe kein Problem darin, Muster, Einladungen zu Verkostungen und Reisen anzunehmen. Nur ein Anspruch muss gegeben sein. Es muss kritisch berichtet werden. Kritisch im positiven, wie auch im negativen Sinne! Lob, wem Lob gebührt und aber auch Kritik, wenn einem etwas missfällt. Das Ganze natürlich in einem ethischen Kontext. Natürlich wird man hier Gefahr laufen auch einmal eine negative Resonanz einer Agentur bzw. eines Weinguts zu ernten. Dennoch, ein wenig journalistischen Anspruch sollte jeder Blogger haben! Sich zum verlängerten Arm der Industrie zu machen kann nicht der richtige Weg sein. Die Szene will ernst genommen werden und nicht zur Marionette degradieren. Geschmackvoll war die Session "Frühstückswein" geleitet von Guntaum Fahner, der den Weinladen am Gutenberg zu Karlsruhe betreibt. Wusste gar nicht wie viel Potenzial in der Kombination Müsli, Obstsalat und Wein steckt. Inhaltlich war das VinoCamp 2012 durchaus bereichernd, auch wenn die eine oder andere Session relativ ergebnislos blieb, wie z.B. "Wieviele Weinshops verträgt das Internet". Für Menschen aus der Weinszene wird das VinoCamp zum Pflichttermin. Flexibel und am Puls des Geschehens. An dieser Stelle möchte ich dem Team um die Organisatoren Thomas Lippert und Dirk Würtz danken, sowie den Sponsoren ohne die diese Gratisveranstaltung in dieser Form nicht möglich wäre. Mal abgesehen von der Mensa, eignen sich die heiligen Hallen der Fachhochschule Geisenheim bestens als Austragungsort. Ich freue mich auf das VinoCamp 2013!

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